20/03/2022

Thema: Unverträglichkeiten und Intoleranzen.

Also, ich weiß nicht, wie es euch geht...

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich als kleiner Junge vor 40 Jahren Mitschüler mit irgendwelchen Lebensmittelintoleranzen kannte. Auch keiner meiner Mitschüler oder Mitschülerinnen.

Eigentlich trank jeder von uns seine Milch oder seinen Kakao aus der Tüte ohne sich anschließend vor Schmerzen auf den Boden zu werfen. Wir wussten nicht, was Laktose ist. Auch hatten wir keine Ahnung, was Gluten oder Weizeneiweis ist.

Man könnte fast schon meinen, dass es neben wirklichen Unverträglichkeiten (oder Allergien) ein nettes Mittel ist, sich bei einem geselligen Essen ins Rampenlicht zu stellen: 'Oh, das kann ich gar nicht essen. Ich habe eine ganz hippe Intoleranz'. Ja, ich bin jetzt mal ganz 'böse': Man erntet betroffene Blicke, steht im Mittelpunkt und hat die Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen. Unterdessen erschießt sich der Gastgeber klammheimlich vor Scham auf der Gästetoilette. Wie konnte er nur nicht an diese Intoleranzen denken?

Erstaunlicherweise endet die Laktoseintoleranz vieler Menschen bei einem Riegel Kinderschokolade und besonders bei Lindor-Kugeln. "Schoki? Das passt schon."

Natürlich gibt es die Allergiker, bei denen der Verzehr von bestimmten Früchten, Nüssen, etc. lebensbedrohliche Reaktionen auslösen. Ebenso Menschen, die unter wirklich medizinisch verbürgten Unverträglichkeiten leiden. Kein Thema.

Mittlerweile ist das Phänomen der Unverträglichkeit längst keine Marktlücke mehr. Es ist zu einer Industrie geworden. Entsprechende Produkte füllen die Regale unserer Supermärkte.

Laktosefreies und glutenfreies Essen ist als modernes Lifestyleprodukt, gut an den Kunden zu bringen. Und dieser Kunde ist da. Ein 'sensibler' Kunde, vielleicht eine Mimose oder gar ein Hypochonder, der jedes Rumpeln im Magen als Unverträglichkeit interpretiert?

Sind diese 'Intoleranzen' gar ein Stück Zeitgeist? Ein stummer Schrei nach Liebe? 

Als 67er Jahrgang leide ich weder an Lebensmittelintoleranz, noch an Allergien. Vielleicht, weil wir diese Problematik gar nicht kannten? Vielleicht weil uns noch niemand einreden konnte, dass ein Lebensmittel 'unverträglich' ist?